Fussball-flops 2005

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    • Fussball-flops 2005

      Paolo und die falsche Pfeife

      Von Christian Gödecke und Mike Glindmeier

      Je näher das neue Jahr rückt, desto intensiver denkt man auch über Vorsätze nach. Aber einige täten besser daran, das alte erstmal aufzuarbeiten. Robert Hoyzer zum Beispiel, der Türke Alpay oder Paolo di Canio. SPIEGEL ONLINE zeigt die Flop-Ten des Fußball-Jahres 2005.

      Die Wetten schienen gemacht, und die Quoten für eine Bewährungsstrafe waren die schlechtesten, denn selbst die Staatsanwaltschaft hatte nicht mehr als zwei Jahre gefordert. Aber was Robert Hoyzer dann im Landgericht Berlin erlebte, musste für ihn wie ein schlechter Witz anmuten: Zwei Jahre und fünf Monate lautete das Urteil - ohne Bewährung. "Betrüger-Schiri" ("Bild") Hoyzer, der die deutsche Fußballwelt mit seinen Manipulationen in einen Schockzustand versetzt hatte, war sozusagen selbst verpfiffen worden.

      Nicht mit der Pfeife, sondern vielmehr mit Händen und Füßen richteten zwei Fußballprofis in diesem Jahr beträchtlichen Schaden an. Da war zum einen der türkische Nationalkicker Alpay. Erst brannten dem Verteidiger im WM-Playoff-Rückspiel gegen die Schweiz (2:4) die Sicherungen durch. Auf TV-Bildern war zu sehen, wie er den Schweizer Marco Streller in bester Kickboxer-Manier in den Rücken sprang. Die Strafe: Alpay darf bei der WM zugucken, die Fifa entscheidet im Januar über weitere Sanktionen. Eine Woche später leistete er sich dann auch in der Bundesliga einen Aussetzer. Das Opfer des Kölner Profis: der Hamburger Guy Demel. Die Strafe hier: Vier Spiele Sperre und die Aussicht, demnächst auch die Bundesliga komplett vor dem Fernseher zu verfolgen.

      Ein anderer Fußballer beschäftigt die Medien seit Januar. Dort leistete sich Paolo di Canio den ersten Aussetzer, als er seinen rechten Arm nicht still halten konnte und ihn im Derby seines Clubs Lazio Rom gegen den AS stattdessen gen Himmel reckte. Er habe "sein Volk" grüßen wollen, erklärte der Fußball-Fascho wenig später. Im Dezember war der "Römische Gruß" dann erneut zu sehen, wieder bei di Canio, diesmal sogar zweimal innerhalb einer Woche. Die Strafe: 8000 Euro und ein Spiel Sperre. Di Canios Reaktion: Unverständnis.




      Das machte sich auch bei anderen breit in diesem Jahr. Zum Beispiel bei Nationalspieler Christian Wörns - über die Ausbootung unter Jürgen Klinsmann. Der Bundestrainer wiederum reagierte mit Unverständnis auf das Unverständnis: Wörns sei doch gar nicht nicht mehr Nationalspieler, so Klinsmann. Stattdessen schlug er vor, mal einen Kaffee trinken zu gehen. Das war im November, im DFB-Team hat der einstige Starverteidiger seither trotzdem nicht mehr gespielt.

      Apropos Überraschungen und Unverständnis: Premiere-Chef Georg Kofler reagierte nach der (überraschenden) DFL-Entscheidung über die Neuverteilung der Bundesliga-Übertragungsrechte ebenfalls unverständig. Mit der verbalen Keule wurde da zuerst auf die Liga eingeschlagen ("Sportschau-Erhaltungsaktion"). Dann folgte Trotz ("Es gab schlechtere Tage für Premiere") - und schlussendlich eine Klage gegen den neuen Pay-TV-Konkurrenten Arena. Ganz nebenbei ging der Aktienkurs in den Keller.

      Klagen hört man bei Manchester United schon sehr lange, allerdings nicht über die Finanzen. Der Club zählt sich immer noch zu den reichsten der Welt, nur im Kerngeschäft Fußball lief es 2005 erneut nicht rund. Kein einziger Titel wurde geholt, die teilten sich die Rivalen FC Chelsea (Meister) und FC Arsenal (FA-Cup). Höhepunkt: ManU schied in der aktuellen Champions League bereits in der Gruppenphase aus. Als letzter darf der Old-Trafford-Club nicht mal im Uefa-Cup ran. Dort spielen jetzt der OSC Lille (aus der ManU-Gruppe) und Artmedia Bratislawa. Mehr Demütigung geht nicht.

      Quelle: Spiegel-online.de