Ullrich vom T-Mobile Team suspendiert

    • Ullrich vom T-Mobile Team suspendiert

      Die Bombe ist in Straßburg geplatzt: Das T-Mobile Team hat seinen Kapitän Jan Ullrich, den spanischen Helfer Oscar Sevilla und Ullrichs Betreuer Rudy Pevenage einen Tag vor dem Start der Tour de France (Samstag) wegen der Verbindungen zum spanischen Doping-Skandal suspendiert.

      Der Name des T-Mobile-Kapitäns steht angeblich auf einer Liste mit 58 Radprofis, die laut Untersuchungsbericht der spanischen Behörden in die Doping-Affäre verwickelt sind.
      Das verbreitete der spanische Radiosender "Cadena Ser" am Donnerstagnachmittag.
      "Warten auf offizielle Berichte"
      Zusätzlich wurden die Namen von Ullrichs Teamkollegen Oscar Sevilla und Giro-Sieger Ivan Basso aus Italien erwähnt.
      "Die Quelle scheint sicher zu sein. Wir müssen jetzt überlegen, was unser nächster Schritt ist. Wir haben Jan und Oscar noch einmal befragt. Beide bleiben bei ihren Aussagen, nichts mit der ganzen Sache zu tun zu haben", erklärte T-Mobile-Kommunikationschef Christian Frommert noch am Donnerstag.
      UCI-Chef droht mit Tour-Ausschluss
      T-Mobile-Pressesprecher Luuc Eisenga zu Sport1.de: "Wir wollen jetzt erst von offizieller Seite informiert werden. Erst dann werden wir tätig."
      Am Freitagmorgen soll die Liste der spanischen Behörden beim Team vorliegen. Bei T-Mobile ist eine Pressekonferenz für 9.30 Uhr angesetzt.
      "Es ist natürlich belastend"
      Auf dem Weg zur Tour-Präsentation reagierte Ullrich gestresst auf die bohrenden Fragen bezüglich der neuesten Doping-Enthüllungen: "Ich habe meiner Aussage nichts hinzuzufügen. Zu diesem Thema habe ich alles gesagt. Es ist natürlich belastend, wenn man zur Tour kommt und so bestürmt wird."
      Aussagen der Tour-Leitung, wonach sich die Teamchefs auf einer Sitzung geeinig hätten, alle auf der Liste stehenden Fahrer von der Tour abzumelden, wollte T-Mobile-Teamleiter Rudy Pevenage nicht bestätigen: "Davon weiß ich nichts. Ich war auf keiner solchen Sitzung."
      Weltverbands-Chef Pat McQuaid hat am Donnerstag gedroht: "Wenn sich herausstellen sollte, dass sie in dem Verfahren bisher eine falsche Aussage gemacht haben, würden sie von der Tour ausgeschlossen werden."
      Der Hintergrund:
      Die Ermittler der Guardia Civil haben 58 Rennfahrer identifiziert. Sie sollen Kunden des Dopingnetzwerks um den ehemaligen Kelme- und Liberty-Teamarzt Fuentes gewesen sein.
      Die Folge:
      Nach Berichten der spanischen Zeitungen "El Pais" und "ABC" wird die Justiz das Verfahrensgeheimnis aufheben. Der spanische Sportminister Jaime Lissavetzky erhält von der Guardia Civil 500-seitigen Bericht.
      Das heißt:
      Jetzt wird es richtig heiß. Lissavetzkys französischer Amtskollege Jean-Francois Lamour hat um Zusammenarbeit gebeten. Danach kann die französische Justiz zu Tat schreiten. Die betroffenen Fahrer würden von der Tour ausgeschlossen.
      Wer ist "Jan"?
      "Alle sind total aufgeregt", sagte Jan Schaffrath, der Sportliche Leiter des Teams Milram.
      Am 23. Mai hatte die Guardia Civil in Madrid zahlreiche Beweismittel beschlagnahmt, darunter auch Blutkonserven mit der Aufschrift "Jan" sowie Notizen mit dem Code "Hijo Rudicio" (Rudis Sohn), die "El Pais" Ullrich und seinem Sportlichen Leiter Rudy Pevenage zuordnete.
      Zwar gibt es auch andere Radprofis mit dem Vornamen Jan (Boven, Hruska, Kirsipuu, Svorada), keiner von ihnen aber hat einen "Rudi" an der Seite.
      Ullrich: "Meine Moral ist getroffen"
      In der "ARD"-Dokumentation "Die rollende Apotheke" räumte Ullrich zum ersten Mal ein, die Angriffe auf ihn hätten "meine Moral getroffen" und seien Auslöser für seinen vorzeitigen Ausstieg beim Giro d'Italia gewesen.
      Ex-Radstar Rolf Wolfshohl hat gegenüber Sport1.de seine Zweifel, "ob Ullrich unter den Umständen die Tour noch gewinnen kann". Der Tour-Fahrer und dreimalige Cross-Weltmeister aus Köln: "Ein Sportler muss seinen Kopf frei haben. Nur dann kann er Höchstleistung vollbringen. Wenn er an finanzielle Probleme oder andere negative Dinge denken muss, ist es vofbei."
      "Bin schon neunmal im Training kontrolliert worden"
      Ullrich hält die Beschuldigungen gegen sich aber als völlig ungerechtfertigt: "Allein in diesem Jahr bin ich bereits neunmal Trainingskontrollen unterzogen worden, dreimal so oft wie im letzten Jahr. Ich habe nichts zu verbergen und mit dem Fall in Spanien nichts zu tun."
      Bei Ullrichs Ankunft in Straßburg erklärte er sich auch erstmals zu einer DNA-Analyse bereit. "Das will ich erst mit meinen Anwälten abklären, aber erst nach der Tour de France. Ab jetzt konzentriere ich mich voll auf das Rennen."
      Teamsprecher Luuc Eisenga bekannte: "Natürlich beeinträchtigen die Spekulationen die Stimmung, aber die sportliche Anspannung kurz vor dem Auftakt gewinnt doch die Oberhand."
      "Für den Radsport ein Flächenbrand"
      Der spanische Doping-Skandal sorgt bei vielen Fahrern für Unruhe. Erik Zabel ist deprimiert. In der "ARD" erklärte der Milram-Sprinter: "Für den Radsport könnte das wirklich zu einem Flächenbrand werden, der wahrscheinlich nicht mehr zu löschen ist. Das ist natürlich für den Sport, den du eigentlich aus Leidenschaft betreibst, schlimm. Aber in diesen Tagen schämt man sich manchmal richtig, dass man selbst den Sport betreibt."
      Nicht betroffen sein soll laut "ABC" die spanische Tourhoffnung Alejandro Valverde vom Team Caisse d'Epargne.
      Winokurow zeigt auf Ullrich und Basso
      Wegen der Viertelfinalspiele der Fußball-WM am Freitag fand die Präsentation der Tour-Mannschaften bereits am Donnerstagabend vor dem Europa-Parlament in Straßburg statt. Astana-Würth blieb von der Parade ausgeschlossen.
      Kapitän Winokurow in der "ARD": "Man misst mit verschiedenen Maßstäben. Schließlich werden doch viele beschuldigt, auch Ivan Basso oder Jan Ullrich."

      Quelle: sport1.de